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Wie Verändert Corona Unsere Wirtschaft | Editorial + Podcast Mit Kurt Mezger Vom BVMW

Wie verändert Corona unsere Wirtschaft | Editorial + Podcast mit Kurt Mezger vom BVMW

Ein halbes Jahr leben wir nun schon mit Corona und es hat unser aller Privat- und Geschäftsleben beeinflusst – Zeit für eine Zwischenbilanz.
Wir haben in unserer neuen Podcastfolge nicht nur uns, sondern auch unserem Gast mit dem Ohr an der Wirtschaft, Herrn Kurt Mezger vom Bundesverband Mittelständische Wirtschaft diese Frage gestellt.

Zur neusten Folge bei YouTube: Wirtschaft vs. Corona Teil 1 + Teil 2
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Editorial – Auswirkungen von Corona auf unsere Zukunft

Die Auswirkungen von Corona – viele Fakten und eine Menge Unsicherheiten. Wir, die wir diese Krise erleben, können nur reagieren auf die Konfrontationen unserer Zeit.

Aber stimmt das wirklich? Können wir nur passiv reagieren? Tappen wir damit nicht in eine Falle, die im schlimmsten Fall dazu führt, dass wir das Nachsehen haben, den Aufbruch verpassen?

Ist nicht jetzt – in Zeiten von Krise und Umschwung – genau der richtige Zeitpunkt für Veränderung und Vorausdenken? Natürlich bestehen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten, aber diese bestehen immer und je genauer man Gesellschaft, Wirtschaft und aktuelle Strömungen beobachtet, desto höher liegt die Wahrscheinlichkeit für eine treffenden Prognose und korrekte Entscheidungen.

Diese Beobachtungen wollten wir im Gespräch mit Herrn Kurt Mezger vertiefen, der als Leiter des Kreisverbandes Stuttgart des BVMW (Bundesverband Mittelständische Wirtschaft Unternehmerverband Deutschlands e.V.) ein Ohr an den täglichen Sorgen und Themen eines der größten Motoren der deutschen Wirtschaft hat – dem Mittelstand.

Nahezu jede Branche hat die Erschütterung gespürt, aber besonders betroffen sind diejenigen mit direktem Kundenkontakt wie Hotellerie, Touristik und Einzelhandel, die auch nach Lockerung der Vorschriften deutlich mit Auflagen und zögerlichem Verhalten der Verbraucher zu kämpfen haben. So waren beispielsweise kurz nach der Wiedereröffnung im Mai lediglich 30% der üblichen Personen auf der Königstraße in Stuttgart unterwegs. Unsichere Arbeitsverhältnisse, finanzielle Unwägbarkeiten und Angst vor Ansteckung haben den Konsum gehemmt.

Um bedrohten Unternehmen zu helfen, müssen langfristige Hilfen nicht nur finanzieller, sondern auch struktureller Natur bereitgestellt werden. Stundungen und Kredite vertagen das Problem lediglich und gerade kleine und mittlere Unternehmen benötigen Unterstützung, um einen Wandel anzustoßen und umzusetzen.

Anfang 2021 werden wir diese Auswirkungen besonders zu spüren bekommen. Ein zweiter Lockdown während des Weihnachtsgeschäftes würde viele, die eine erste Schließung noch überleben konnten, vor ernsthafte Probleme stellen. Diese Problematik wird voraussichtlich dazu führen, dass Kurzarbeit bis weit ins Jahr 2021 hinein vorausgeplant werden muss.
Wer vom Lockdown im Frühsommer profitiert hat, muss jetzt vorausschauen, ob eine zweite Welle ähnlich wirken kann. Garten- und Baumärkte haben naturgemäß im Winter Nebensaison, manche Hobbyausrüstung wurde bereits im Frühsommer optimiert und die Mehrwertsteuersenkung von gerade einmal 3 % birgt für viele Anschaffungen einfach zu wenig Anreiz.

Ebenfalls durch die Virus-Pandemie in den Fokus gerückt: Die Digitalisierung.
Sie betrifft sowohl Arbeitsplätze und Bildungsinstitutionen als auch das Konsum- und Kommunikationsverhalten. Hier muss jetzt schnell und zielführend gearbeitet werden, denn es geht nicht von selbst voran. Der Ausbau des Breitbandnetzes beispielsweise erfährt kaum Anschub, weiterhin kranken behördliche Vorgänge und beklagenswerterweise gerade der Bildungssektor an teilweise beschämend zähen und umständlichen Vorgängen. Hier sind strategisches Denken und übergeordnete Lösungen wichtig!

Unser zukünftiges Arbeiten wird mit Sicherheit auch weiterhin das Homeoffice beinhalten. Zu Beginn der Krise waren Headsets und Laptops ausverkauft, Firmen haben neue Prozesse gelernt und ein Videocall wird künftig deutlich weniger Irritationen hervorrufen. Die Infrastruktur ist in vielen Fällen geschaffen.
Live-Streams und Video-Konferenzen werden auch weiterhin zunehmen und wünschenswerte Effizienz in Unternehmen bringen. Nicht allein durch verringerte Reisezeiten, auch zeigt die Erfahrung der letzten Monate eine kürzere Dauer und größere Themen-Fokussierung dieser Meetings. Auf weniger Geschäftsreisen müssen sich aber wiederum hierauf ausgerichtete Branchen einstellen: Unterkünfte, Transportunternehmen, Gastronomie.
Unternehmen, die erfolgreich frühere Krisen überlebten, zeigen: Wer jetzt klug plant und an die geänderten Bedürfnisse seiner Kunden denkt, kann ein böses Erwachen verhindern. Und mehr noch – vielleicht sogar mit neuer Stärke aus der Krise hervorgehen.
Die Gewinner dieser in Teilen extrem beschleunigten Digitalisierung sind die großen, meist US-basierten Player der IT: Google, Amazon, Microsoft, Zoom. Deutschland ist immerhin mit dem Göppinger Produkt TeamViewer vertreten. Auch hier zeigt sich die Bedeutung technischer Innovation und langfristigen Denkens. Eine gewisse „Start-Up-Mentalität“ schadet uns allen nicht – auch wenn Veränderung oft schwieriger ist als Neuanfang.

Ein Fazit – oder eher ein Zwischenstand: Corona betrifft alle – alle Branchen, alle Menschen, fast alle Aspekte unseres Lebens. Verschonte Bereiche bilden die Ausnahme. Dies ermöglicht unabhängig vom unbestreitbar existierenden Desaster eine allumfassende Veränderung, die in einer Geschwindigkeit vollzogen werden kann, die das normale politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Agieren deutlich überschreitet. Die Betonung liegt auf kann, denn dies ist kein automatischer Vorgang, sondern muss von mutigen, visionären und tatkräftigen Köpfen jetzt vorangetrieben werden. So können wir Krise in Chance verwandeln – es bleibt zu hoffen, dass der Weckruf laut genug war. Die Gewinner von morgen sind die agilen Köpfe von heute und es liegt in der Hand jedes einzelnen, sich neu zu erfinden und zu entwickeln.

Wie unser Podcast-Team es abschließend schön formuliert: Die Zeit des Abwartens ist vorbei.

Ihre Bleicher Medien GmbH

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